Auszubildende aus Vietnam gewinnen: was Betriebe wissen sollten
Warum vietnamesische Auszubildende für deutsche Betriebe funktionieren, wie Auswahl und Vorbereitung ablaufen und worauf es im ersten Ausbildungsjahr ankommt.
Viele Betriebe finden seit Jahren keine Auszubildenden mehr. Gleichzeitig gibt es in Vietnam eine große Zahl junger Menschen mit hoher Lernbereitschaft, die eine qualifizierte Ausbildung in Deutschland anstreben. Diese Kombination funktioniert — allerdings nur mit sauberer Auswahl und Vorbereitung.
Dieser Beitrag beschreibt, was die duale Ausbildung mit internationalen Azubis vom klassischen Weg unterscheidet und welche Weichen im ersten Jahr gestellt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die duale Ausbildung ist der stabilste Weg zur langfristigen Fachkraft im eigenen Betrieb.
- Sprachniveau und Berufsschulfähigkeit entscheiden über den Ausbildungserfolg.
- Ein fester Ausbildungsbeauftragter im Betrieb ist Pflicht, nicht Kür.
- Die ersten drei Monate prägen die gesamte Ausbildungszeit.
Warum die Ausbildung der nachhaltigste Weg ist
Wer eine Fachkraft einstellt, gewinnt Arbeitsleistung. Wer ausbildet, formt sie. Internationale Auszubildende lernen von Anfang an die Prozesse, Qualitätsstandards und die Kultur des eigenen Betriebs kennen. Die Bindung, die daraus entsteht, ist in der Praxis deutlich stärker als bei einem Wechsel aus einem anderen Unternehmen.
Dazu kommt ein betriebswirtschaftlicher Punkt: Die Ausbildung verteilt den Aufwand über drei Jahre und schafft planbaren Nachwuchs statt punktueller Notbesetzungen.
Berufsschule als unterschätzter Faktor
Die Ausbildung findet nicht nur im Betrieb statt. Fachtheorie, Fachbegriffe und Prüfungssprache stellen für internationale Azubis die größte Hürde dar. Ein Jugendlicher kann im Betrieb sicher arbeiten und trotzdem in der Zwischenprüfung scheitern, wenn die Sprache der Aufgabenstellungen nicht sitzt.
Deshalb gehören zwei Dinge in jede Planung: ein realistisches Sprachniveau vor Ausbildungsbeginn und begleitende Sprach- beziehungsweise Fachunterstützung während der Ausbildung. Viele Kammern, Berufsschulen und Förderprogramme bieten hier Angebote, die Betriebe nutzen sollten.
Auswahl: worauf es wirklich ankommt
Zeugnisse sagen bei Ausbildungskandidaten weniger aus als Haltung. Entscheidend sind Lernbereitschaft, Belastbarkeit, körperliche Eignung für das jeweilige Berufsfeld, ein realistisches Bild vom Beruf und ein stabiles familiäres Umfeld, das die Entscheidung mitträgt.
In der Praxis bewährt sich ein mehrstufiges Verfahren: fachliche Vorauswahl, Sprachtest, strukturiertes Interview und ein Videogespräch mit dem Betrieb selbst. Der letzte Schritt ist der wichtigste — der Betrieb entscheidet, nicht eine Liste.
- Motivation für genau dieses Berufsfeld, nicht nur für Deutschland
- Nachgewiesene Lernfortschritte im Sprachkurs
- Realistische Erwartungen an Arbeitszeiten, Verdienst und Alltag
- Persönliche Passung zum Team und zur Betriebsgröße
Die ersten drei Monate im Betrieb
Am Anfang steht nicht Produktivität, sondern Orientierung. Neue Auszubildende müssen Abläufe, Sicherheitsregeln, Hierarchien und ungeschriebene Regeln gleichzeitig lernen — in einer Fremdsprache. Wer in dieser Phase klar strukturiert, gewinnt Zeit zurück.
Bewährt haben sich: ein schriftlicher Einarbeitungsplan für die ersten Wochen, ein fester Ansprechpartner auf Augenhöhe, kurze wöchentliche Feedbackgespräche und die bewusste Erklärung von Dingen, die im Betrieb als selbstverständlich gelten.
Kulturelle Unterschiede pragmatisch einordnen
Ein häufiges Muster: Fragen werden nicht gestellt, weil Nachfragen als Eingeständnis von Unwissen empfunden wird. Ein Nicken bedeutet dann nicht immer Verständnis. Führungskräfte sollten deshalb nicht fragen, ob etwas verstanden wurde, sondern sich den Arbeitsschritt zeigen lassen.
Das ist keine Frage von Herkunft, sondern von Gewöhnung. Nach wenigen Monaten in einem Team, das Nachfragen ausdrücklich begrüßt, verschwindet dieses Muster in der Regel.
Häufige Fragen
- Welches Deutschniveau sollten Azubis zu Ausbildungsbeginn haben?
- Ein solides Alltagsniveau ist Mindestvoraussetzung, für die Berufsschule ist mehr hilfreich. Das Zielniveau wird berufsfeldabhängig festgelegt und im Sprachkurs vor der Einreise erarbeitet.
- Was passiert, wenn die Ausbildung abgebrochen wird?
- Aufenthaltsrechtlich ist der Titel an den Ausbildungszweck gebunden. Deshalb sind Auswahl und frühzeitige Begleitung so wichtig — und eine vereinbarte Nachbesetzungsregelung mit dem Partner.
- Können auch kleine Betriebe international ausbilden?
- Ja. Entscheidend ist nicht die Betriebsgröße, sondern ob es eine feste Bezugsperson, Zeit für Einarbeitung und eine gesicherte Wohnsituation gibt.
Über die Autorin
Huirong Ni — Geschäftsführung & Fachbereich Auslandsrecruiting, BEST Recruiting GmbH. Huirong Ni begleitet deutsche Betriebe seit Jahren bei der Gewinnung, Einreise und Integration internationaler Auszubildender und Fachkräfte — von der ersten Bedarfsklärung bis zum stabilen Arbeitsalltag im Team.
